Aus alt mach neu: Lorenzer Fallrohrleitung wird nach 140 Jahren erneuert

Kunststoff statt Grauguss - die Lorenzer Fallrohrleitung wird saniert.
Trinkwasser für Nürnberg
Fragt man ein Kind, wo denn eigentlich das Wasser herkommt, ist die Antwort oft ganz einfach. Die lautet dann: „Na, aus dem Wasserhahn natürlich.“ Aber bis es da ankommt, hat das Wasser meist schon eine lange Reise hinter sich.
Das Nürnberger Trinkwasser kommt zum Beispiel aus fünf verschiedenen Gewinnungsgebieten. Bevor es in der Stadt aus vielen einzelnen Wasserhähnen sprudelt, fließt es über Zubringerleitungen in Hochbehäter, die um die Stadt herum verteilt liegen. Von den Hochbehältern geht es dann im freien Gefälle ins Nürnberger Trinkwassernetz.
Einer dieser Hochbehälter befindet sich am Schmausenbuck. Von ihm aus führt unter anderem die Lorenzer Fallrohrleitung Richtung Altstadt. Sie stammt aus dem Jahr 1884 und wird nun saniert.
Sanierung Lorenzer Fallrohrleitung
Die Lorenzer Fallrohrleitung stammt aus dem Jahr 1884 und wird auf ihrer gesamten Länge von rund vier Kilometern in Stand gesetzt. Ein erster Abschnitt wurde bereits Anfang 2023 saniert, im Sommer 2026 läuft der zweite Bauabschnitt. Dieser ist etwa zwei Kilometer lang und erstreckt sich vom Hochbehälter Schmausenbuck stadteinwärts bis zur Keyperstraße.
Leitungsverlegung im Inline-Verfahren
Die Sanierung der Lorenzer Fallrohrleitung erfolgt im sogenannten Inline-Verfahren. Dabei wird ein neues Kunststoffrohr in die bestehende Graugussleitung eingezogen. Jeder Bauabschnitt wird in mehrere Einzüge unterteilt. Beim aktuellen Abschnitt der Lorenzer Fallrohrleitung erfolgt der Einzug zum Beispiel in fünf Etappen.
Der Einzug erfolgt jeweils zwischen zwei Baugruben. Von einem Widerlager an der Zielbaugrube wird ein Seil oder Gestänge durch die alte Leitung zur Startbaugrube geführt. Mit diesem wird das Kunststoffrohr über die aufgewendete Zugkraft verjüngt und dann Stück für Stück in die bestehende Grauguss-Leitung eingezogen.
Der Vorteil dieses Verfahrens liegt auf der Hand: Für den Einzug sind nur einzelne Baugruben notwendig, es muss nicht im Bereich von bestehender Wohnbebauung oder von Grünanlagen ein Graben auf der gesamten Länge der Leitung ausgehoben werden.
Vor dem Einzug wird das neue Leitungsstück vormontiert. Dafür werden jeweils 12 Meter lange Rohrstücke aneinander geschweißt. So lange bis die neue Leitung lang genug ist, um das gesamte Stück zwischen Start- und Zielbaugrube zu überbrücken. Beim Einzug Ende Juli 2026 waren das knapp 400 Meter.
Der Einzug selbst erfolgt Stück für Stück. Über eine Hydraulik werden an der Zielbaugrube die Stahlseile, an denen die neue Leitung befestigt ist, Stück für Stück zurück gezogen und wieder aufgerollt. Mit jeden Hub bewegt sich das Kunststoffrohr unterirdisch ein paar Zentimeter weiter. Insgesamt dauert der Einzug der 400 Meter langen Leitung knapp vier Stunden, die Zugkraft beträgt dabei rund 60 Tonnen.
Entlang der Einzugsstrecke sind einzelne kleine Baugruben errichtet. In diesen Bereichen wurde das alte Graugussrohr entfernt. Hier wird zum einen der Fortschritt des Einzugs verfolgt und kontrolliert, zum anderen wird hier auch kräftig nachgeschmiert. Denn: Um möglichst wenig Reibung zwischen Kunststoff und Grauguss zu erzeugen, kommt ein Schmiermittel zum Einsatz. Früher war das häufig Sonnenblumenöl. Doch seit dem Krieg in der Ukrainie ist dieses teurer geworden. Stattdessen kommt mittlerweile Bentonit zum Einsatz. Bentonit ist ein natürliches Tonmineralgemisch, das als Schlacke als Schmiermittel zum Schmiermittel wird.
Das Inline-Verfahren in Nürnberg
Die Lorenzer Fallrohrleitung ist nicht die erste Nürnberger Leitung, die im Inline-Verfahren saniert wird. Bereits 2022 wurde die Sebalder Fallrohrleitung, die vom Hochbehälter Schmausenbuck Richtung Selbalder Altstadt führt, in diesem Verfahren saniert. Auch ein Teilstück der Dritten Fallrohrleitung vom Schmausenbuck Richtung Südstadt wurde 2025 nach einem Rohrbruch bereits so erneuert.