Bier mit Botschaft

Susa und Felix vom Endt haben Orca Brau 2017 gegründet.
„r[i]ot“ ist ein Rotbier, eine klassische Nürnberger Biersorte. Und auch der „Bio Bock“ oder die „Geselligkeit“, ein preisgekröntes Bio-Weißbier, sind echte Klassiker regionaler Braukunst. Wer es ein bisschen verrückt mag, probiert „Boomshakalaka“, „Swirl“ oder „Shanti“.
Freigeister am Braukessel
Felix und Susa haben Orca Brau in Nürnberg 2017 gegründet. Die beiden Quereinsteiger haben sich Ende 2006 beim Studium in Coburg kennengelernt – und gehen die Sache mit dem Bier ganz unterschiedlich an. Felix, der ein Studium der sozialen Arbeit abgeschlossen hat, fing schon 2007 an, sich intensiv mit Bier zu beschäftigen. Der gebürtige Hesse ist in Oberbayern aufgewachsen und hat lange den Blog Lieblingsbier.de betrieben. Er hat in Vancouver und Berlin alles über Bier gelernt und ist doch erst in Franken so richtig beim Bier angekommen. „Ich bin schon der typische Bierliebhaber und Biertrinker.“
„Mir geht es darum, ein Produkt zu haben, wo ich echt dahinterstehe, das mit sehr guten Rohstoffen gebraut ist.“
Felix vom Endt
Ist das noch Bier?
Susa hat Innenarchitektur studiert, war mit Felix in Kanada und mag kein klassisches Bier. Wo sich die beiden einig sind: „Wir wollen auch etwas Experimentelles haben.“ Biere zum Beispiel, die nicht nach Bier schmecken (und auch nicht so heißen). Biere, die auch Weinliebhaber überzeugen und für eine echte Geschmacksüberraschung gut sind, lassen Susa schwärmen: „Wir haben jetzt zum Beispiel eins gemacht mit Vanille und Himbeeren, da ist fast kein Hopfengeschmack drin, es ist rot im Glas, es schäumt und mutet fast wie ein Cocktail an. Natürlich ist es Bier, aber es schmeckt nicht mehr klassisch danach. „Swirl“ ist total mein Ding.“
Der Spaß am Experimentieren ist es, der die beiden Enddreißiger antreibt. „Wir machen eigentlich jeden Monat etwas Neues“, erklärt Felix. Bis zu 350 verschiedene Sorten haben die Orcas schon gebraut, teilweise verschwinden sie auch wieder. „Wir machen im Sommer eher frischere, leichtere Biere, vielleicht mal mit Zitronenabrieb oder mit Frucht. Im Winter eher mal dunklere, vielleicht mit Kakao oder Kaffee und Zimt.“
Boomshakalaka – oder: nicht jedes Experiment gelingt beim ersten Versuch
Noch bevor es Orca Brau gab, hatten Felix und Susa die Idee, ein Rauchbier mit Himbeeren und Habaneros zu brauen. Es sollte das Start-Bier der neu gegründeten Brauerei werden. Felix war vorsichtig mit dem Habanero-Pulver, Susa war mutig. Und so landeten 20 Gramm Habanero-Pulver in 500 Liter Bier. Zur Eröffnung der Brauerei hatte „Boomshakalaka“ Premiere – und entpuppte sich als untrinkbar, weil unglaublich scharf. Felix und Susa gaben nicht auf, sondern optimierten die Mischung. „Boomshakalaka“ polarisiert, ist nicht jedermanns Geschmack. Auf dem Craftbeer-Fest in München kam es auf den zweiten Platz.
Von der Wanderlust gepackt
Auch verschiedene Hopfensorten sorgen für Vielfalt. Geschmacksintensive Sorten werden zunehmend auch hierzulande gezüchtet, doch „Terroir und Klima spielen auch beim Hopfen eine große Rolle“, weiß Felix. „Manche Sorten, die es in den USA oder Neuseeland gibt, können hier gar nicht angebaut werden.“ Die „Wanderlust“, zum Beispiel, ein preisgekröntes American Pale Ale, erhält seine fruchtig-frische Note durch eine Kombination amerikanischer Hopfenarten.
Genau genommen war es auch die „Wanderlust“, die dafür gesorgt hat, dass Orca Brau 2020 so richtig durchgestartet ist: oder besser Christian, der im Jahr zuvor als Gast im „Bieramt“ am Tiergärtnertorplatz in Nürnberg das „beste Bier, das ihr habt“ bestellt hatte. Er bekam die „Wanderlust“ serviert – und die hat es ihm offensichtlich angetan. So sehr, dass er sich als Investor ohne große Renditeerwartungen bei der Orca Brau eingebracht hat. Damit konnte eine neue, größere Brauanlage in die Halle einziehen. „Das war während der Pandemiezeit. Die Gastronomie hatte zu, doch die Menschen waren neugierig auf Produkte aus der Region“, erinnert sich Felix. Und Susa ergänzt: „Plötzlich hatten wir die drei- oder vierfache Menge Bier und keine Abnehmer wegen Corona. Wir haben viel online gemacht, aber das war schon schwierig. Ohne den Christian hätten wir das nicht geschafft und nicht gemacht.“
„Wir wollen möglichst viel selbst machen. Dann ist es am Ende auch auch unser Produkt.
Susa vom Endt
Gemeinschaft zählt, nicht Wachstum
Wie bei den Orcas, die ihrem Projekt den Namen gaben und die Orca Brau mit einer Patenschaft unterstützt, lebt das kleine Unternehmen vom großen Engagement der Gemeinschaft aus Familie und wenigen Mitarbeitenden. Felix braut und pflegt die Kontakte, Susa gestaltet die Etiketten und kümmert sich um Grafik und Produktion, Susas Mutter betreut den Online-Shop und die drei Enkelkinder, wenn die Eltern eingespannt sind. Die Brauerin Davina unterstützt Felix, Ben liefert das Bier aus und Fritz managt die Gastronomie.
Das bedeutet „immer 150 Prozent geben“. Doch es bedeutet auch, wie Susa meint, „dass du selbst etwas schaffst, dass es am Ende dein Produkt ist und aus deiner Hand kommt“. Wachstum ist nicht das primäre Ziel der beiden, auch wenn sie sich über das 10-Prozent-Plus im vorigen Jahr freuen. Hochwertige Rohstoffe, Energie – die Kosten sind hoch. „Aber dadurch, dass wir eine Nische besetzen und hochpreisig sind, ist es immer noch machbar“, so Felix.
Orca Brau am Tresen
Dafür, dass ihr Projekt „machbar“ bleibt, soll auch die Orcabar sorgen, seit wenigen Monaten „die kleine Heimat“ für die Orca-Biere in der Nürnberger Innenstadt. Die Idee eines eigenen Ausschanks gab es schon viel früher, allein das passende Objekt war schwierig zu finden. Jetzt können die Gäste an vier Tagen in der Woche ihre Favoriten aus der aktuellen Taplist genießen. Dazu gibt’s Flaschenbier von Orca Brau und befreundeten Brauereien.
Wer Hunger hat, wählt eine der leckeren Flammkuchensorten, die sich auch in der winzigen Küche gut zubereiten lassen. Regelmäßige Events wie das „Schluckgeflüster“ oder Braukurse runden das Angebot ab.
Weitere Infos für Durstige und Interessierte
Auf orcabrau.de gibt es Infos zur Brauerei, zur Bar, zu den Bieren und den Menschen bei Orca Brau.
Orca Bier gibt es während der Öffnungszeiten in der Brauerei (Dienstag bis Donnerstag von 10:00 bis 17:00 Uhr, Freitag bis 14:00 Uhr. Adresse: Am Steinacher Kreuz 24, 90427 Nürnberg oder im Online-Shop.
Die Orca Bar hat geöffnet am Mittwoch (von 16:00 bis 22:00 Uhr) und von Donnerstag bis Samstag (16:00 bis 24:00 Uhr). Adrersse: Engelhardsgasse 7 (am Jakobsplatz), 90402 Nürnberg.