Die Viertelstunde, auf die es ankommt

© N-ERGIE, Christian Eisenreich

Warum Speicher das Stromnetz zusätzlich belasten können

Um weiterhin noch mehr Erneuerbare an das Stromnetz anbinden zu können, sind vielerorts flexible Lösungen gefragt – eine könnten Großbatteriespeicher sein. Doch wie viel nützen diese Speicher dem Netz tatsächlich?

„Die Wirkung auf das Stromverteilnetz hängt stark von der Betriebsweise des Speichers ab“, erklärt Johannes Kempe von der N-ERGIE Netz GmbH. „Großbatteriespeicher haben ihren Fokus auf Wirtschaftlichkeit: Der Be- und Entladeprozess orientiert sich ausschließlich am Marktgeschehen und der Gewinnerzielung.“

Das heißt: Die Batterie wird bei einem niedrigen, deutschlandweit einheitlichen Börsenstrompreis geladen und wieder entladen, sobald der Preis gestiegen ist. Das nennt man Arbitragehandel. Diese Preisdifferenzen am Markt entstehen dabei nicht nur zwischen Tag und Nacht, sondern durch Prognoseabweichungen teils auch zwischen einzelnen Viertelstunden. Arbitragehandel trägt dazu bei, Preisspitzen innerhalb einer Strompreiszone (ganz Deutschland inkl. Luxemburg) zu dämpfen und hat so durchaus einen positiven Effekt für das Gesamtsystem. Die Netzsituation am Standort des Speichers wird dabei allerdings nicht berücksichtigt, was das dortige Stromnetz zusätzlich belasten kann.

© Münch Energie

Der Großbatteriespeicher in Beuna ist ein gefördertes Gemeinschaftsprojekt von N-ERGIE und Münch Energie - basierend auf einer Innovationsausschreibung der Bundesnetzagentur.

„Das zeigt, dass die naheliegende Annahme, der Speicher würde mittags günstigen Strom aus erneuerbaren Energien beziehen und diesen abends in Zeiten hohen Verbrauchs wieder in das Netz einspeisen, leider zu stark vereinfacht und pauschal ist. In Folge kann es zu bestimmten Zeitpunkten sogar zu einer höheren Netzbelastung bis hin zu einer Überlastung führen“, so Johannes Kempe.

Durch Abweichung der tatsächlichen Erzeugung aus Erneuerbaren Energien von der Prognose, kommt es immer wieder zu kurzzeitigen Preissignalen, die einen großen Anreiz zum Entladen setzen. „Uns als Netzbetreiber kann dieser kleine Zeitraum von einer Viertelstunde allerdings vor große Herausforderungen stellen – insbesondere dann, wenn ohnehin viele PV-Anlagen einspeisen.“ In diesem Fall wirken die Speicher wie zusätzliche EE-Anlagen, die vielerorts Netzausbaumaßnahmen erfordern.

Dagegen könnte ein netzneutraler oder netzdienlicher Betrieb Flexibilität bringen, die auch dem Stromverteilnetz nützt. Netzneutrale Speicher sollen durch Einschränkungen in ihrer Fahrweise keinen zusätzlichen Netzausbau verursachen und somit auch bestehende Engpässe nicht verstärken – oder gar neue Engpässe hervorrufen.

Netzdienliche Stromspeicher sollen zur Stabilität und Flexibilisierung der Netze beitragen. Das heißt: Sie sorgen in unmittelbarer Nähe von Umspannwerken aktiv dafür, das Stromverteilnetz zu entlasten – und zwar vor allem dann, wenn besonders viel Ökostrom von PV- und Windkraftanlagen eingespeist wird. In dieser Funktion können Batteriespeicher einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten.

Weitere Informationen hier auf den Seiten der N-ERGIE Netz GmbH.

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