Kühlende Stromfresser? Energieverbrauch von Klimaanlagen

Das Zimmerthermometer klettert höher und höher, die Luft steht, der Schweiß läuft. Eine Klimaanlage verspricht Abkühlung, doch Viele schrecken zurück vor den vermeintlich hohen Stromkosten. Aber wie viel Energie verbrauchen die Kältespender wirklich?
Hitzetage mit Temperaturen über 30°C und Tropennächte, die nicht abkühlen wollen: Extreme Hitzewellen werden auch in unserer Region immer häufiger. Während es von 1961 bis 1990 in Nürnberg im Schnitt 7,8 Hitzetage gab, waren es von 1991 bis 2020 bereits 13,8 – Tendenz steigend. Im Sommer 2018, dem wärmsten seit Aufzeichnung in Nürnberg, wurden gar 31 heiße Tage registriert.
Während an solchen Tagen in Ländern wie den USA oder China flächendeckend die Klimaanlagen anspringen, werden in Deutschland nur in etwa 6 Prozent der Haushalte einzelne Räume gekühlt. Das liegt neben dem immer noch milderen Klima auch daran, dass Klimaanlagen hierzulande verpönt sind. Denn vielen gelten sie als Stromfresser.

Stromkosten einer Klimaanlage – eine Beispielrechnung
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Formen von Klimaanlagen: mobile Monoblock-Klimaanlagen und fest installierte Splitgeräte. Monoblocks sind relativ günstig in der Anschaffung und können flexibel in Räumen aufgestellt werden. Allerdings kommen sie mit beträchtlichen Nachteilen: Sie erzeugen mehr Lärm im Raum und verbrauchen im Vergleich mehr Strom. Splitgeräte, bei denen ein Innen- mit einem Außenteil verbunden werden muss, sind zwar teurer in der Anschaffung. Aufgrund ihrer Effizienz sind sie jedoch die stromsparendere Wahl.
Ein weiterer Faktor für den Stromverbrauch ist die Raumgröße. Für den möglichst energiesparenden Einsatz sollte weder eine zu kleine noch eine zu große Anlage verbaut werden. Es gilt die Faustregel: Raumvolumen mal 30 entspricht der benötigten Kühlleistung in Watt. Für ein 30-Quadratmeter-Zimmer mit 2,50 m Deckenhöhe reicht dementsprechend eine Anlage mit 2,5 kW Kühlleistung, ein Standardwert bei kleineren Splitgeräten.
Besonders stromsparende Klimaanlagen in dieser Größenordnung verbrauchen in der Stunde etwa 350 Watt. Angenommen man kühlt sein Zuhause an 30 Tagen im Jahr für jeweils 10 Stunden kommt man auf einen Verbrauch von 105 kWh. Bei einem Kilowattstundenpreis von 30 Cent vgl. [STROM SMART] ergeben sich jährlich somit 31,50€ Stromkosten.

Vorteil: Klimaanlagen nutzen Erneuerbare
Ein Punkt, der die Klimabilanz der Geräte maßgeblich mit beeinflusst: Klimaanlagen springen meist dann an, wenn die Sonne scheint. Das bedeutet: Auch Photovoltaik-Anlagen laufen auf Hochtouren und liefern grünen Strom – in unserer Region sogar häufig viel mehr als eigentlich benötigt wird. Klimaanlagen passen also grundsätzlich gut zur Energiewende. Für Betreiber einer eigenen PV-Anlage auf dem Dach kann eine Klimaanlage besonders attraktiv sein.
Aufgepasst beim Kältemittel
Beim Kauf einer Klimaanlage sollte man unbedingt auf das eingesetzte Kältemittel achten. Viele Geräte werden mit sogenannten Fluorkohlenwasserstoffen (HFKW) betrieben. Diese haben meist ein hohes Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP), das beschreibt, wie stark ein Gas die Erderwärmung beeinflusst im Vergleich zu Kohlendioxid (CO2). Herkömmliche HFKWs haben ein GWP zwischen 1.500 und knapp 4.000. Auch das klimafreundlichere R32 hat immer noch ein 675-faches Treibhauspotenzial von CO2. Diese Mittel werden deswegen künftig durch die F-Gase-Verordnung der EU beschränkt. Alternativen sind natürliche Kältemittel wie Propan (R290) oder neu erforschte HFKWs. Da die Entwicklung klimafreundlicher Geräte an Fahrt gewinnt, lohnt sich eine Beratung vor dem Kauf.