Lohnt sich eine PV-Anlage noch?

Unter bestimmten Voraussetzungen bleibt eine PV-Anlage auf dem Dach eine gute Investition in die Energiezukunft. Michael Vogtmann von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. erklärt, warum das so ist.
Jahrzehntelang war eine Photovoltaik (PV)-Anlage auf dem eigenen Hausdach eine gute Investition in die Energiewende. Das könnte sich bald ändern. Wir haben nachgefragt bei Michael Vogtmann. Der 64-Jährige ist Vorsitzender des Landesverbands Franken der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS).
Lohnt es sich noch, in eine eigene PV-Anlage auf dem Dach zu investieren?
Je nachdem, was man unter „lohnen“ versteht: Für die einen bedeutet es, dass sich die Investition spätestens nach zehn Jahren amortisiert hat. Für die anderen zählt mehr, dass sie sich unabhängiger machen. Für das Jahr 2026 kann man für beide Gruppen sagen: Es ist noch ein gutes Jahr, um in eine PV-Anlage auf dem Dach zu investieren – aber bitte immer mit Speicher und Energiemanagementsystem.
Warum ist 2026 noch ein gutes Jahr?
Weil es einen Vorschlag für Neuerungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für 2027 gibt. Darin ist vorgesehen, dass für neue PV-Anlagen mit einer Leistung bis 25 Kilowatt peak (kWp) keine Einspeiseförderung mehr bezahlt wird. Aktuell liegt die Einspeise-Vergütung für die typischen Einfamilienhaus-Anlagen bei 7,8 Cent pro Kilowattstunde (kWh).
Und was würden Sie raten, wenn das Vorhaben erst nach 2026 ansteht?
Sollte es tatsächlich keine Einspeiseförderung mehr geben, würde ich vorschlagen, eine kleinere PV-Anlage fürs Eigenheim zu wählen, also mehr auf Eigenverbrauch zu setzen. Zum Beispiel eine 5-kW-Anlage statt der 10 kW, die heute vielfach gebaut werden. Die würde ich mit einem Speicher von mindestens 10 kWh kombinieren. Auf jeden Fall empfehle ich dazu unbedingt ein Energiemanagementsystem.

Die Solaranlage auf dem Dach kombiniert mit Batteriespeicher und Energiemanagement-System bleibt sinnvoll.
„2026 ist noch ein gutes Jahr, um in eine PV-Anlage auf dem Dach zu investieren – aber bitte immer mit Speicher und Energiemanagementsystem.“
Michael Vogtmann
Was sollte man beachten, wenn man am Anfang steht?
Alle Komponenten einer Anlage sollten aufeinander abgestimmt sein. Es gibt eine neutrale Internetseite der Hochschule Ansbach. Sie heißt hems-finder.org. HEMS steht für Home Energy Management System. Fachbetriebe und Endverbraucher*innen können sich dort informieren, welche Energiemanagementsysteme am besten mit welchen Wechselrichtern und Batteriesystemen harmonieren.
Ganz wichtig: Unbedingt mit Speicher planen – außer es handelt sich um eine Steckersolaranlage. Da geht die Erzeugung gleich in den Verbrauch von Router oder Kühlschrank.
Wie hoch sind die Kosten ungefähr?
Also für unter 20.000 Euro gibt es ein richtig gutes, rundes System. Etwa 13.000 Euro für die PV-Anlage, maximal 5.000 Euro für einen 10-kWh-Speicher und knapp 1.000 Euro für das Energiemanagementsystem. Die Installation ist da schon dabei. Umsatzsteuer fällt keine an.
Können die Menschen mit einer Förderung rechnen?
Die einzige Förderung, mit der man bei einer Inbetriebnahme im Jahr 2026 rechnen kann, sind die knapp 8 Cent Einspeisevergütung. Ich würde eine Förderung für Speicher befürworten, aber nur, wenn ein Energiemanagement-System vorhanden ist und tagsüber netzdienlich geladen wird. Also: Wenn überhaupt einspeisen, dann in der Früh und am späten Nachmittag. Das wäre auch ein Signal an die Bevölkerung: Speicher sind etwas Wertvolles, sind wichtig und gewünscht.
Wie realistisch ist es Ihrer Meinung nach, dass die Vorschläge der Regierung umgesetzt werden?
Eher wahrscheinlich – weil es einfach ist. Neue PV-Anlagen bis 25 kWp sollen nach dem Entwurf der EEG-Novelle in die ungeförderte Direktvermarktung zu Börsenstrompreisen von 0 bis circa 6 Cent überführt werden. Bei negativen Preisen an der Strombörse entfallen die Erlöse ganz.
Und was bedeutet das für die Eigentümer*innen von PV-Anlagen?
Sinnvoll ist das zunächst nur bei einem hohen Eigenverbrauch. Mittelfristig, in zwei oder drei Jahren, wird es auch finanziell interessant – dann gibt es Anbieter, die nicht benötigte Strommengen an der Börse handeln. Aktuell gibt es nur ein oder zwei Anbieter. Die Regierung geht selbstverständlich davon aus, dass sich in den nächsten Jahren ein Angebot für Direktvermarktung entwickelt. Deshalb ist auch für die nächsten zwei Jahre mit dem Jahresmarktwert Solar eine Übergangslösung vorgesehen. Das entspricht der Vergütung für Strom von ausgeförderten PV-Anlagen, die aber deutlich unter der aktuellen Einspeisevergütung liegt.
Also schlechte Aussichten für die Energiewende?
Die Ausbauziele für Photovoltaik legen einen Schwerpunkt auf große Freiflächenanlagen. Das verschärft die aktuelle Situation. Man braucht mehr Umspannwerke und Trafostationen für Anlagen weit weg von den Verbrauchszentren. Und diese werden dann wegen dem Netzanschlusspaket nicht genehmigt. Auf der anderen Seite sollen sie gebaut werden, um die Ausbauziele zu erreichen. Dazu kommt: Wenn überall Freiflächenanlagen entstehen, steigt auch nicht gerade die Akzeptanz. Und auf den Dächern wird nicht mehr gebaut, obwohl da noch Platz wäre – oder höchstens sehr kleine Anlagen für den Eigenverbrauch. Und das, obwohl im urbanen Raum zumindest ausreichend Anschlusskapazitäten vorhanden sind. Das widerspricht sich.
„Mein Traum ist, dass Energy Sharing, bevor ich 70 Jahre alt bin, absolut standardisiert und digitalisiert ist und ich da mitmachen kann.“
Michael Vogtmann
Gibt es Ihrer Ansicht nach Alternativen zum Ausbau der Erneuerbaren?
Ich plädiere eindeutig für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren. Nur so schaffen wir es, bis 2050 den ganzen Strom, den wir brauchen – und das wird ja viel mehr sein, als wir jetzt brauchen – aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Deshalb müssen wir Sonnen- und Windstrom geschickt in die Netze reinbringen. Wenn jetzt stattdessen Grundlastkraftwerke mit Fusionsreaktoren und Gas dazukommen, erübrigt sich der Ausbau erneuerbarer Energien. Aus meiner Sicht ist das nur eine halbe Transformation. Das ist nicht konsequent und nicht mutig.
Und wie könnte eine Lösung für die Energiezukunft aussehen?
Mittelfristig hoffe ich auf Energy Sharing. Da wird in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlich noch nicht viel passieren. Aber mein Traum ist, dass Energy Sharing, bevor ich 70 Jahre alt bin, absolut standardisiert und digitalisiert ist und ich da mitmachen kann. Das gemeinschaftliche Erzeugen und Verbrauchen innerhalb lokaler Energiegemeinschaften von Kommunen, Bürgerinnen und Bürgern, kleineren und mittleren Unternehmen, das ist genial, weil es die dezentrale Energiewende konsequent umsetzt. Energy Sharing führt automatisch zu einer Netzentlastung. Das vermindert den notwendigen Netzausbau. Diese dezentrale erneuerbare Energiewende macht unsere Energieversorgung auch unabhängiger von Energieimporten.
Spielt die aktuelle Weltlage eine Rolle bei den Entwicklungen?
Ich kann mir schon vorstellen, dass durch die geopolitischen Unsicherheiten bei den Menschen das Bedürfnis nach Unabhängigkeit steigt. Genau diese Angst führte vor einigen Jahren zu einem extremen Boom der kleineren Batteriespeicher.
Was raten Sie Menschen, die ausgestattet sind mit PV-Anlage, Speicher, Wallbox und finanzielle Vorteile suchen?
Ich empfehle dynamische Stromtarife und zeitvariable Netzentgelte für steuerbare Verbraucher zu nutzen. Also bewusst Speicher und E-Auto laden, wenn die Börsenpreise und die Netzentgelte niedrig sind. Man spart einige hundert Euro pro Jahr und muss kein schlechtes Gewissen haben. Denn man nimmt den Strom dann, wenn die Nachfrage gering ist, also tendenziell zu viel Strom im Netz ist. Allerdings braucht man einen Smart Meter dafür.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Vogtmann.
Weitere Infos für Interessierte
(Heim)Energiemanagementsystem (HEMS): Ein HEMS koordiniert PV-Anlage, Sepeicher sowie ggf. Wallbox und Wärmepumpe. Es optimiert den Eigenverbrauch. Infos von der Hochschule Ansbach unter hems-finder.org
Heimspeicher optimal laden: Infos zum netzdienlichen Laden von Heimspeichern
Handwerker finden: Sie suchen einen Handwerker in Ihrer Nähe? Über die Handwerkersuche der N ERGIE finden Sie Fachhandwerker für Heizungs- und Elektroinstallationen:
Wärmepumpe: Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 16 kW und 500-Liter-Pufferspeicher Brauchwasser-Wärmepumpe mit 250-Liter-Speicher (ergänzt Solarthermie bei Bedarf)
Fördermittel: Die Liste der N-ERGIE Partner aus dem Handwerk enthält auch einen Partnercode. Damit erhalten Sie den maximalen Zuschuss von der N-ERGIE. Für 2026 sind die Fördergelder von bis zu 1.100 Euro für einen Heimspeicher mit Schaltschrank bereits ausgeschöpft.
Michael Vogtmann: Der 64-jährige Diplomkaufmann und Umweltberater ist Vorsitzender des Landesverband Franken der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS). Etwa 3.000 bis 4.000 Fachleute informieren sich pro Jahr in mehr als 200 Präsenz- und Online-Seminaren bei ihm und seinen Fachkolleginnen und -kollegen rund um die Themen Photovoltaik, Technik, Geschäftsmodelle und Wirtschaftlichkeit. www.dgs-franken.de