Mit voller Power in den Winter

Um die Leistung der Dampfturbine zu sichern und ihre Lebensdauer zu verlängern, wurde sie von Frühjahr bis Herbst 2025 generalüberholt.
Vollrevision der Dampfturbine 2 erfolgreich abgeschlossen
Mit Beginn der kalten Jahreszeit ist unsere Dampfturbine 2 im Heizkraftwerk Sandreuth wieder voll am Start. Wir erklären, warum die Turbine so wichtig für die Strom- und Wärmeversorgung in Nürnberg ist, warum sie in diesem Jahr generalüberholt wurde, und was hinter einer sogenannten Vollrevision steckt.
Oldie but Goldie! Über 255.000 Betriebsstunden hat unsere Dampfturbine 2 (kurz DT 2) seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1982 schon auf dem Buckel. Damit gehört sie aber noch lange nicht zum alten Eisen. Ganz im Gegenteil: Sie zählt zu den leistungsstärksten Anlagen in unserem Bestand.
Als eine von fünf Dampfturbinen im Heizkraftwerk Sandreuth sorgt die DT 2 seit über 40 Jahren zuverlässig für Energie und ist damit ein zentraler Pfeiler für die Strom- und Wärmeversorgung in der Stadt Nürnberg. Ein Betrieb, der höchste Anforderungen an Sicherheit und Langlebigkeit stellt.
Mit 44 Megawatt (MW) Leistung ist die DT 2 eine der beiden großen Dampfturbinen. Um die Leistung zu sichern und ihre Lebensdauer zu verlängern, wurde sie von Frühjahr bis Herbst dieses Jahres generalüberholt. Die Instandhaltungskosten der Vollrevision belaufen sich auf etwa vier Millionen Euro.
„Einmal im Jahr führen wir im Kraftwerk eine Revision unserer Anlagen durch – das ist für uns nichts Ungewöhnliches. Dass eine Turbine komplett geöffnet und auf Herz und Nieren überprüft wird, ist aber eher selten. Bei dieser Turbinenart kommt das nur alle 100.000 Betriebsstunden vor. Solch eine Vollrevision ist daher besonders wichtig. Die letzte fand vor 16 Jahren im Jahr 2009 statt", erklärt Claus Baumgärtner, Auftragsmanager Turbinen- und Nebenanlagen bei der N-ERGIE Kraftwerke GmbH.
Claus Baumgärtner steht im Maschinenhaus vor der DT 2. © N-ERGIE, Silke Weiß
Was passiert bei einer Vollrevision?
Zunächst wurde die Turbine im Mai in ihre drei Hauptkomponenten – das Gehäuseoberteil (rund 25 Tonnen), das Gehäuseunterteil (rund 20 Tonnen) und den Turbinenläufer (rund 12 Tonnen) – zerlegt und mit Schwertransportern in die nur wenige Kilometer entfernte Frankenstraße zum Siemens Energy Dampfturbinen Service transportiert.
„Die Experten dort haben sie anschließend komplett auseinandergenommen, überprüft und verschlissene Teile überarbeitet oder ausgetauscht. Gleichzeitig wurden Verbesserungen und neue technische Innovationen eingebaut, die den Betrieb noch effizienter und stabiler machen", sagt Claus Baumgärtner.
Unter Zeitdruck und mit höchster Präzision: Turbine wieder zusammengesetzt
Ziel war die Inbetriebnahme mit Beginn der kalten Jahreszeit. Um die Gehäuseteile mit dem Turbinenläufer wieder zusammenzusetzen und die Turbine wieder zum Leben zu erwecken, mussten rund 3.000 Einzelteile – zum Beispiel Dichtungen, Rohrverbindungen, Gleitlager, Schrauben und Muttern – von Hand montiert werden. Im Oktober kehrte die vormontierte Turbine dann wieder in das Maschinenhaus nach Sandreuth zurück, um die Endmontage durchzuführen. „In Schichtarbeit waren neben dem Spezialteam von Siemens Energy, Gerüstbauern und Isolierern auch unsere Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen Planung, Service Mechanik und Elektrik sowie Logistik im Einsatz", so Claus Baumgärtner. „Gearbeitet wurde unter Hochdruck – zum Teil auch nachts und an den Wochenenden – um alles rechtzeitig fertigzustellen."

Der Turbinenläufer der DT 2
So funktionieren die Turbinen im Heizkraftwerk Sandreuth
Neben den fünf Dampfturbinen verfügt das Gas- und Dampfkraftwerk (GuD-Anlage) über zwei Gasturbinen, die seit 2022 bereit für den Energieträger Wasserstoff sind (anteilig H2-ready). Durch die Kombination von Gasturbinen und Dampfturbinen wird die Abwärme des einen Prozesses für die Stromerzeugung, und die Wärmeerzeugung im anderen Prozess genutzt. So erzeugt die GuD-Anlage gemeinsam mit dem benachbarten Biomasse-Heizkraftwerk (BMHKW) im hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsprozess (KWK) gleichzeitig Strom und Fernwärme. Auch die benachbarte Müllverbrennungsanlage der Stadt Nürnberg ist technisch so verbunden, dass deren Abwärme nach dem KWK-Prinzip in Strom und Fernwärme umgewandelt wird.
In der GuD-Anlage wird zunächst Erdgas in einer Gasturbine verbrannt, die einen Generator antreibt und damit Strom für Nürnberg und die Region erzeugt. Mit der Abhitze aus der Gasturbine wird in einem nachgeschalteten Kessel Wasser verdampft. Dieser heiße Wasserdampf mit einer Temperatur von über 500 Grad und einem Druck von 110 bar strömt anschließend über die Dampfturbine und treibt dabei einen weiteren Generator zur Stromerzeugung an. Dem noch energiehaltigen Dampf wird abschließend in einem Heizkondensator die Wärme entzogen. Die so gewonnene Heizwärme gelangt über das Fernwärmenetz direkt zu unseren Kundinnen und Kunden. Mehr zu unserem Heizkraftwerk Sandreuth