Nachhaltig Denken – über Verwaltungen hinaus

Katharina Pöhler ist Umwelt- und Klimaschutzbeauftragte von vier Kommunen. Eines ihrer Projekte ist der Nestbau für die Ansiedlung von Störchen.
Dr. Katharina Pöhler ist zuständig für den Klima- & Umweltschutz in vier Kommunen des Nürnberger Lands
Die Freude an Umweltthemen vermitteln, Lust zum Entdecken und Mitmachen wecken und sich gemeinsam über Erfolge freuen: Das alles verbindet die vielfältigen Aufgaben von Dr. Katharina Pöhler. Die 39-Jährige ist Umwelt- und Klimaschutzbeauftragte der vier Kommunen Röthenbach an der Pegnitz, Schwaig bei Nürnberg, Leinburg und Rückersdorf und ist auch Jury-Mitglied beim N-ERGIE Nachhaltigkeitswettbewerb PURNATUR Umweltheld*innen.
Eine Frage zu unserem Wettbewerb „Umweltheld*innen“: Was ist für Sie beim Blick auf regionale Umwelt- und Klimaschutzbemühungen eine heldenhafte Tat?
Ich finde es beeindruckend, wenn sich Kinder oder Jugendliche voller Begeisterung auf etwas Neues einlassen und mit Durchhaltevermögen und Eifer an dem Vorhaben dranbleiben. Insofern verdienen auch viele kleinere Aktionen und Projekte, die auf den ersten Blick unscheinbar daherkommen mögen, große Anerkennung. Mein persönliches Lieblingsbeispiel und Herzensanliegen: die Biene und ihr schützenswerter Lebensraum.
Das alles gefällt mir auch gut an dem Wettbewerb der N-ERGIE: Die Teilnehmenden überlegen sich selbst, wie sie direkt in ihrem Umfeld und im Alltag etwas für den Umwelt- und den Klimaschutz tun können: beispielsweise den Pausenhof grüner gestalten, nachhaltig Energie erzeugen durch PV-Module auf dem Schulgelände oder eine Mitfahr-App entwickeln, um auf diese Weise viele Fahrten und CO2 einzusparen.
Seit August 2021 kümmern Sie sich um alle Umwelt- und Klimaschutzthemen in vier Kommunen im Landkreis Nürnberger Land. Was heißt das genau?
Der Aufgabenbereich ist so vielfältig wie das Gemeindeleben selbst und reicht von der Beratung und Aktionen an Kindergärten oder Schulen über die Beantragung von Fördermitteln – beispielsweise für öffentliche Trinkwasserbrunnen oder Fahrradständer an Bahnhöfen – bis hin zur Abwasserbeseitigung.
Es gibt Projekte, die passen nur zu einer Gemeinde, andere zu allen vier Kommunen. Manche Aufgaben sind schnell mit ein, zwei Anrufen erledigt, andere sind ein wahrer Kraftakt von vielen Beteiligten und ziehen sich über Monate bis Jahre. Bestes Beispiel dafür ist die Kommunale Wärmeplanung, die wir bereits abgeschlossen haben. Das war sehr intensiv, zum Teil liefen die Telefone mit fragenden Bürgerinnen und Bürgern heiß. All die Mühe und Anstrengung haben sich wirklich gelohnt: Wir konnten viel Unsicherheit nehmen und durch Informationen individuelle Wege aufzeigen.

Umweltfreundlich unterwegs: An den Bahnhöfen wie hier in Schwaig wurden moderne und ansprechende Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen.
Was ist die größte Herausforderung?
Wichtig ist, sich nicht bei der Planung und Umsetzung nicht von Verwaltungsgrenzen einschränken zu lassen, sondern mutig und unvoreingenommen darüber hinausdenken. Das ist tatsächlich herausfordernd, denn jede Gemeinde tickt anders, und nicht jede Idee lässt sich überall gleich gut umsetzen. Da braucht es Flexibilität und viel offenen Austausch. Bei vielen Themen hilft mir das Wissen aus meinem Studium der angewandten Geowissenschaften, beispielsweise wenn es um Klärschlamm, Geothermie oder Fließgewässer geht.
Wer sind ihre wichtigsten Verbündeten?
Ein großes Netzwerk ist das A und O. Dazu zähle ich neben den Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung oder im Landratsamt, die Mitarbeitenden von Schulen oder Kindergärten, die Vereine und Institutionen vor Ort, aber auch Unternehmen wie die N-ERGIE, denen Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Eine schöne gemeinsame Aktion mit dem Energieversorger war beispielsweise die Meisenknödel-Aktion, die wir zusammen im Oktober durchgeführt haben. Die Aktion kam sehr gut an und das Angebot wurde super angenommen.
Letzte Frage: Was macht Ihnen am meisten Spaß?
Wenn sich die Menschen begeistern lassen und mitmachen – egal ob im Kindergarten oder in der Seniorengruppe. Da wären wir wieder bei den Helden vom Anfang: Es kommt gar nicht auf eine große Leistung an, sondern den Umwelt- und Klimaschutz so oft wie nur möglich mitzudenken.

Eine Oase für Bienen: das neu bepflanzte Beet am Rathaus in Rückersdorf.