Neues Rohr im alten Rohr

Der Schlauchliner wird mit Druckluft befüllt.
Wir testen das innovative Schlauchliner-Verfahren in Nürnberg
Fernwärmerohre reparieren ganz ohne aufwendige und langwierige Erdarbeiten, Straßensperrungen und Versorgungsunterbrechungen? Dass das keine Zauberei ist, zeigt das sogenannte Schlauchliner-Verfahren. Wir erklären diese innovative Technik, mit der innerhalb kurzer Zeit ein neues Rohr im alten Rohr entsteht.
Dichter weißer Wasserdampf steigt aus einer kleinen Baugrube auf dem Grünstreifen neben der Otto-Bärnreuther-Straße in Nürnberg-Langwasser auf. Es zischt, Druckluft schießt durch das schwarze Fernwärmerohr. Eine Stimme hallt aus einem Funkgerät, Arbeiter in und über der kleinen Baugrube rufen durcheinander. Ein langer flexibler Schlauch im Rohr füllt sich langsam mit Luft. Dann schauen sich alle zufrieden an, nicken, Daumen zeigen nach oben. Das Team hat gerade erfolgreich einen sogenannten Schlauchliner in dem defekten 210 Meter langen Fernwärmerohr platziert.

Blick auf die kleine Baugrube auf dem Grünstreifen neben der Otto-Bärnreuther-Straße in Nürnberg-Langwasser.
„Wir sind einer der ersten Fernwärmenetzbetreiber in Deutschland, der dieses grabenlose Sanierungsverfahren mit Schlauchlinern testet“, sagt Thomas Riegel, Leiter Projektplanung Fernwärme bei der N-ERGIE. Aber was ist ein Schlauchliner genau? „Das ist ein spezieller mit Kunstharz getränkter Schlauch aus Carbonfasern. Damit ist es möglich, beschädigte Fernwärmerohre schnell und nachhaltig von innen zu reparieren“, erklärt Marco-Warkotz-Gruber vom Hersteller CarboSeal.
Statt die Rohre auf den über 200 Meter langen Leitungsstücken (Vorlauf und Rücklauf) zwischen der Wettersteinstraße und Breslauer Straße auszugraben und auszutauschen, wurden die flexiblen Spezialschläuche über zwei kleinere Baugruben in die vorhandenen Rohre eingeführt, zuerst mit Druckluft aufgeblasen, so dass der Schlauch eng an dem alten Rohr anliegt und dann durch heißen Dampf ausgehärtet. So entstand innerhalb weniger Tage ein neues Rohr im Altrohr – ohne aufwendige Tiefbauarbeiten und auch ohne die Wärmeversorgung für die Kundinnen und Kunden für eine längere Zeit unterbrechen zu müssen. Auch auf den Straßenverkehr hatten die Arbeiten keine Auswirkungen. Während der Bauzeit wurde lediglich der Geh-/Radweg umgeleitet.

Thomas Riegel von der N-ERGIE erklärt den Leitungsverlauf.
So läuft das Verfahren genau ab
„Zuerst wird die Leitung aufgeschnitten und mit einer Kamera befahren, um den Zustand genau zu erfassen. Danach fräsen wir die Innenseite, bearbeiten die Schweißnähte und reinigen das Rohr“, erklärt Alexander Leckebusch, Bauleiter bei der KURT Kanal- und Rohrtechnik GmbH, dem exklusiven Einbauunternehmen in Deutschland. Anschließend kann der Schlauchliner mit Hilfe von zuvor eingezogenen Seilen in das Rohr eingeführt werden. Als nächstes wird der Schlauch mit Druckluft gefüllt, so dass er sich an die Innenwand des beschädigten Rohres anlegt. Durch Druckluft und heißen Dampf härtet das Material aus und innerhalb von acht Stunden bildet sich eine neue feste und wasserdichte Innenwand.
Die Vorteile im Überblick
Durch diese nahezu grabenlose Sanierung fallen aufwändige Erdarbeiten weg. Das bedeutet weniger Sperrungen und Umleitungen und dadurch weniger Beeinträchtigungen für den Verkehr und die Anwohner*innen. Auch die Vegetation wird geschützt. Durch kürzere Planungs- und Ausführungszeiten kann die Sanierung deutlich schneller abgeschlossen werden als bei herkömmlichen Verfahren.
Hintergrund
Bisher hat die N-ERGIE Schlauchliner nur im Nürnberger Trinkwassernetz angewendet. Im Fernwärmenetz kam die Technik in diesem Sommer erstmals in der Weddigenstraße sowie zuletzt im November in der Otto-Bärnreuther-Straße zum Einsatz. Im Fernwärmebereich werden spezielle Schlauchliner verwendet, die den Temperaturen und Druckverhältnissen widerstehen können.
Mehr zur Nürnberger Fernwärme unter fernwaerme.n-ergie.de