Strompreis immer öfter im Minus

Zu negativen Strompreisen an den Strombörsen kommt es, wenn mehr Strom erzeugt als verbraucht werden kann, insbesondere durch erneuerbare Energieanlagen an sonnen- und windreichen Tagen.
Herausforderung volatiler Märkte meistern und flexibler werden
Negative Strompreise traten 2025 und 2026 in Deutschland und vielen Teilen Europas häufiger auf als jemals zuvor. Woran liegt das, und wie gehen Energieversorger und Netzbetreiber damit um?
Zu negativen Strompreisen an den Strombörsen kommt es, wenn mehr Strom erzeugt als verbraucht werden kann, insbesondere durch erneuerbare Energieanlagen an sonnen- und windreichen Tagen. Dann fließt viel Solar- und Windstrom gleichzeitig ins Netz – Angebot und Nachfrage passen nicht mehr zusammen, vor allem an Sonn- oder Feiertagen. Die Folge: Der Strompreis sinkt, teilweise unter null.
Dieses Phänomen wird in Deutschland häufiger, weil der Anteil von PV- und Windkraftanlagen zunimmt. Auch im Netzgebiet der N-ERGIE ist die Anzahl von erneuerbaren Erzeugungsanlagen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Mittlerweile speisen bereits rund 160.000 Anlagen in das Stromverteilnetz ein, größtenteils Photovoltaik.

Viel Sonnenstrom wie hier aus einer Anlage bei Langenaltheim wirkt sich auf die Strompreisbörse aus. Wenn sehr viele PV-Anlagen gleichzeitig ins Netz einspeisen, kommt der Verbrauch nicht hinterher und der Preis sinkt. Allein im Netzgebiet der N-ERGIE sind bereits über 160.000 Anlagen angebunden.
Speicher eröffnen Spielräume
Um die Herausforderungen für den Netzbetrieb zu meistern, arbeitet die N-ERGIE Netz GmbH parallel zum umfassenden Netzausbau an innovativen Lösungen wie flexiblen Netzanschlussvereinbarungen vor allem für neue Windkraftanlagen. Zudem wird am Umspannwerk Winterschneidbach bei Ansbach ein netzdienlicher Batteriespeicher gebaut. Mehr zu Energiespeichern und ihrer Rolle im Netzbetrieb lesen Sie hier.
Speicher leisten auch an andere Stelle einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende. Im N-ERGIE Heizkraftwerk in Nürnberg-Sandreuth sorgt der Wärmespeicher bereits seit zwölf Jahren für flexibleren Betrieb. In Kombination mit zwei E-Heizern konnte der Anlagenbetrieb erheblich flexibilisiert werden. In den letzten zehn Jahren wurden rund 440.000 Megawattstunden (MWh) Wärme in den Speicher geladen bzw. wieder entnommen. Dies entspricht dem jährlichen Wärmebedarf von rund 22.000 Einfamilienhäusern.
Geplant ist, den Kraftwerksbetrieb durch einen Batteriespeicher noch flexibler und damit auch langfristig effizient und wirtschaftlich zu gestalten – insbesondere im Hinblick auf die Verwertung des Dampfes aus der benachbarten Müllverbrennungsanlage, der zum Teil auch in Zeiten produziert wird, in denen kein Verbrauch stattfindet. Mehr zum Projekt hier.

Der Wärmespeicher wurde 2014 in Betrieb genommen. Mit rund 70 Metern Höhe, etwa 26 Metern Durchmesser und einem Fassungsvermögen von rund 33.000 Kubikmetern Wasser zählt er zu den größten und modernsten Anlagen seiner Art in Europa.
Vorteile für flexible Verbraucher
Viele Menschen hören von negativen Strompreisen und erhoffen sich eine Gutschrift auf ihrer Stromrechnung. Allerdings enthält der Haushaltsstrompreis zusätzlich Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Vertriebskosten. Deshalb wird die Stromrechnung nicht automatisch niedriger.
Vorteile können sich aber für Menschen ergeben, die einen Smart Meter und einen dynamischen Tarif haben. Dieser basiert auf den Viertelstundenpreisen der Strombörse. Bei niedrigen oder negativen Börsenpreisen können Haushaltskund*innen zum Beispiel beim Laden von E-Autos Einspareffekte erzielen. Mehr dazu hier.