Urlaub mit dem E-Auto

In den Urlaub mit dem E-Auto – geht das wirklich entspannt? Die Vorstellung von der entbehrungsreichen Langstrecke hält sich hartnäckig. Dabei kann das Gegenteil der Fall sein: Mit der richtigen Vorbereitung kommt ihr erholt und entspannt ans Ziel. Dazu auch noch lokal emissionsfrei. Wir zeigen euch 5 Tipps, die eure Fahrt zu einem schönen Teil der Reise machen.
Tipp 1: Einmal vollladen, bitte
Erstmal das Offensichtliche: Ladet euer E-Auto am Abend vor der großen Fahrt ausnahmsweise auf 100 Prozent. So habt ihr maximale Reichweite.
Im Alltag solltet ihr die Batterie nicht unbedingt auf mehr als 80 Prozent laden – vor allem dann nicht, wenn das Auto meistens steht. Ein dauerhaft hoher Ladezustand ist für Lithium-Ionen-Batterien nicht optimal und begünstigt eine beschleunigte Alterung der Batterie. Daher gilt: 100 Prozent vor allem dann, wenn ihr die maximale Reichweite benötigt.

Gleichstrom, Marsch! Schnelllader eignen sich für lange Strecken und Urlaubsfahrten ganz besonders.

Im Alltag reichen 80 Prozent, für längere Strecken darf die Batterie auch mal komplett voll sein.
Tipp 2: Unterwegs nicht nur einmal laden
Damit kommen wir gleich zum nächsten Punkt: Falls ihr auf eurer Fahrt laden müsst, ladet lieber mehrmals für kurze Zeit als einmal sehr lang. Klingt unlogisch? Ja, kann sein. Aber: Die Batterie in eurem E-Auto lädt zwischen etwa 10 und 80 Prozent nicht nur am effizientesten, sondern in der Regel auch am schnellsten. Das lässt sich sehr gut an der Ladekurve erkennen: In diesem Bereich kann das Batteriemanagement hohe Ladeleistungen zulassen, sodass in kurzer Zeit meist viele Kilometer nachgeladen werden.
Oberhalb von 80 Prozent wird der Ladevorgang zunehmend zäh. Um die Batterie zu schonen und die Zellen im Gleichgewicht zu halten, reduziert das Batteriemanagement die Ladeleistung immer stärker. Die letzten Prozentpunkte benötigen deshalb oft unverhältnismäßig viel Zeit. Für eure Reise bedeutet das: Es ist meist sinnvoller, zweimal für 20 Minuten nachzuladen, als einmal 60 Minuten an der Säule zu stehen, nur um die Batterie auf 90 oder 100 Prozent zu bringen. So kommt ihr in den meisten Fällen schneller ans Ziel.

Lieber auf zwei Mal: Statt einmal auf 100 Prozent lohnt es sich oft, zweimal auf 70 oder 80 Prozent zu laden.
Tipp 3: Klimatisieren ohne schlechtes Gewissen
Ein E-Auto kann im Stand nahezu immer per App oder Fernsteuerung beheizt oder – jetzt im Sommer – vorgekühlt werden. Das ist ein großer Vorteil im Vergleich mit vielen konventionell angetriebenen Fahrzeugen, die meistens keine Standheizung verbaut haben. Besonders praktisch wird das Ganze, wenn das Fahrzeug an einer Wallbox oder Ladesäule angeschlossen ist. In diesem Fall bezieht die Klimatisierung den benötigten Strom direkt aus dem Netz, sodass die Energie für Heizung oder Kühlung nicht aus der Antriebsbatterie entnommen werden muss. Netter Nebeneffekt: Die Batterie wird vorkonditioniert und auf Betriebstemperatur gebracht.
Und keine Sorge: Auch unterwegs hält sich der Energiebedarf der Klimaanlage meist in Grenzen. Moderne Wärmepumpen- und Klimasysteme arbeiten sehr effizient, sodass selbst im Stau wenig Energie benötigt wird. Ein Test des ADAC mit einem Tesla Model 3 zeigte, dass die Klimaanlage selbst bei höheren Temperaturen über längere Zeiträume typischerweise nicht mehr als rund zwei Prozent Akkukapazität pro Stunde verbraucht. Die Reichweitenverluste durch die Klimatisierung werden daher häufig überschätzt. Und ganz ehrlich: Was gibt es an heißen Tagen Besseres, als einen kühlen „Arbeitsplatz“?

Effizient: Moderne Klimatisierungssysteme in Elektroautos arbeiten mit einer Wärmepumpe. Das spart Strom und schont die Batterie.
Tipp 4: Die richtige Routenplanung
Die meisten modernen E-Autos haben einen integrierten Routenplaner, der euch auf eurer Urlaubsroute passende Ladestationen heraussucht und in die Route integriert.
Schaut euch auf jeden Fall die geplante Route an – und passt die Ladestationen nach euren Bedürfnissen und präferierten Anbietern an. Meistens könnt ihr auch einstellen, mit welchem Ladestand ihr an den Ladestationen und an eurem Ziel ankommen wollt.
Hat euer Auto keinen eigenen Routenplaner? Kein Problem. Dann übernehmen Apps den Job. Zum Beispiel die LadeVerbundPlus-App für Ladestationen im N-ERGIE-Netzgebiet. Für Unterwegs gibt es zahlreiche kostenlose Alternativen, z. B. „A Better Route Planner“.

Auf einen Blick: Die Route von Nürnberg nach Salzburg.
Tipp 5: Widerstände senken
Ein paar Extra-Kilometer holt ihr noch mit dem korrekten Reifendruck heraus. Der sollte im kalten Zustand den Werten entsprechen, die der Hersteller euch vorgibt. Kalter Zustand heißt: Die Reifen müssen kühl sein. Ihr solltet also nicht nach 200 Kilometer auf der Autobahn den Reifendruck anpassen, sondern morgens nach ein paar Kilometern bei der nächsten Tankstelle. Denn schon ein 0,2 bar geringerer Reifendruck als empfohlen kann euch Dutzende Kilometer Reichweite kosten. Häufig stehen die Soll-Werte im Türrahmen oder manchmal auch im Tankdeckel.
Ähnlich wichtig für die Reichweite sind An- oder Aufbauten an eurem Auto, zum Beispiel ein Fahrradträger oder eine Dachbox. Im ADAC-Test mit einem E-Auto brauchte ein Heck-Fahrradträger lediglich acht Prozent mehr Strom. Mit den Fahrrädern auf dem Dach waren es hingegen satte 25 Prozent mehr als beim Heckträger; macht in der Spitze bis zu 33 Prozent Mehrverbrauch! Und das merkt man: Windgeräusche beim Fahren und überraschend hohe Zahlen auf der Rechnung eures Charging-Providers. Daher gilt: lieber Heck- als Dachträger, falls möglich.
Und zu guter Letzt: Luftwiderstand steigt mit zunehmender Geschwindigkeit deutlich an. Eine gute Lösung für mehr Reichweite ist daher immer ein entspanntes Tempo: 110 oder 120 km/h sind vielleicht nicht wirklich schnell. Aber was ihr „auf der Bahn an Zeit verliert“, das holt ihr euch ganz schnell wieder rein, wenn ihr zum Beispiel einmal weniger zum Laden fahren müsst.

Druck prüfen: Die Herstellerangabe für optimalen Reifendruck ist meistens im Türrahmen oder auf der Innenseite der Ladeklappe zu finden.

Ein Heckträger, z. B. für Fahrräder, ist windschnittiger als ein Dachträger. Das senkt den Energieverbrauch, vor allem bei hohen Geschwindigkeiten.