Wer will das „Knärzla“?

Für das Randstück des Brotes sind unterschiedliche Dialektwörter bekannt. Wir haben die Kollegen an den verschiedenen Standorten der N-ERGIE gefragt.
Unsere Sprache ist so vielfältig wie die Region selbst. Erst recht, wenn jemand einen regionalen Dialekt spricht. Wir haben an den unterschiedlichen Standorten der N-ERGIE mal nachgefragt, wie man dort zum Brotanschnitt sagt.
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„Knetzla“ sagt der junge Kollege Tim Nemesch aus Oberferrieden, der am Standort Schwaig arbeitet. Er redet daheim fränkisch, genau wie sein Kollege Niklas Brand aus Oberickelsheim. Nur dass dieser den Brotanschnitt als „Ränggele/Renkale“ kennt. Die beiden bairisch sprechenden Kollegen Stefan Mayer aus Eichstätt und Stefan Amler aus Kaldorf bei Titting sind sich einig beim Ausdruck für den Brotanschnitt: Bei ihnen sagt man „Stärzla“. Das bestätigt auch Wilfried Haußner aus Heideck. Er spricht aber fränkisch wie seine Kollegen Simon Böhler aus Weißenburg und Mario Pappler aus Burgsalach. Die beiden sagen allerdings „Knetzla/Knärzla“, ähnlich wie der Kollege Joachim Schweiger aus Nürnberg, der den Brotanschnitt als „Knärzla“ kennt − und daneben viele weitere Begriffe aus seinem Heimatdialekt. Wem jetzt der Kopf schwirrt, empfehlen wir einen Blick auf die Karte unten.

Auch im Netzgebiet der N-ERGIE gibt es unterschiedliche Diealektwörter für den Brotanschnitt bzw. das Endstück.
So sagen wir bei uns daheim
Knorz oder die Verkleinerungsform Knörzlein (auch Knetzla oder Knärzla) sind in Franken weit verbreitet. In früheren Zeiten bezogen sie sich wohl nicht nur auf die Randstücke des Brotes, sondern vor allem auf die Ausbuchtungen in den runden Brotlaiben, die an die Auswüchse auf Baumstämmen (Knorren) erinnerten.
Scherz oder Scherzlein ist in Altbayern weit verbreitet und damit auch im Süden des N‑ERGIE Netzgebietes. Diese Bezeichnung lässt sich auf das althochdeutsche Wort skeran für ‚scheren, abschneiden‘ zurückführen.
Rängala/Renkale ist eher im Westen des N-ERGIE Netzgebiets bekannt und geht zurück auf das mittelhochdeutsche Wort ranc für ‚Krümmung‘. Auch Ranft oder Ränftlein in verschiedenen Varianten hört man. Diese Bezeichnung hat die Bedeutung ‚Rand‘ oder ‚Brotrinde‘ und war schon im Alt- und Mittelhochdeutschen als ramft bekannt.
In Unterfranken kennen manche den Brotanschnitt als Kipf oder Kipflein. In anderen Gegenden ist Kipf ein längliches Brot. Der Begriff wurde wohl aus dem lateinischen Wort cippus für Pfahl entlehnt und wegen seiner Form erst auf das ganze Brot und örtlich dann auf den Anschnitt übertragen.

Mit einem Mausklick auf die Karte kann man sich anhören, wie die Dialektspechenden in Bayern zum Brotanschnitt sagen.
Hauptsache, wir verstehen uns
Früher verbrachten die meisten Menschen ihr ganzes Leben im gleichen Landstrich. Heute sind wir viel mobiler. Bei der Ausbildung, im Beruf, beim Studium oder auf Reisen – wir treffen auf die unterschiedlichsten Sprachen und Dialekte. Und wir müssen einander verstehen, auch über Dialektgrenzen hinweg. Deshalb schwächen sich Dialektunterschiede zunehmend ab.
Doch manche Wörter haben ihre regionale Eigenheit bewahrt. Die Bezeichnung für den Brotanschnitt oder auch das Endstück sind auch bei uns in der Gegend noch recht lebendig.
Mehr Dialektbeispiele
Wer Lust auf mehr Dialektbeispiele hat, kann sich beim sprechenden Sprachatlas von Bayern umhören. Auf den Karten sind die regionalen Bezeichnungen und Lautungen für verschiedene Themenfelder hinterlegt, auch mit Tondokumenten. Einfach draufklicken und fast vergessene Wörter wiederentdecken!
Weitere Infos
Der Sprechende Sprachatlas im Internet:
Der Sprechende Sprachatlas wurde Ende 2020 von der Bayerischen Staatsbibliothek bereitgestellt und steht als Ressource für die Nutzerinnen und Nutzer des Online-Portalszur Verfügung.
Die dem Sprechenden Sprachatlas zugrundeliegenden Karten stammen aus dem Kleinen Bayerischen Sprachatlas, der 2006 bis 2008 unter der Leitung von Prof. Dr. Werner König und Dr. Manfred Renn (Universität Augsburg) erstellt wurde, und beruhen auf Aufnahmen an ca. 1.600 Orten in ganz Bayern. Die Aufnahmen entstanden für verschiedene Sprachatlanten, die ab 1984 erarbeitet wurden. Die Tondokumente des Sprechenden Sprachatlasses von Bayern verwendet wurden, stammen aus 70 Orten und wurden 2006 neu aufgenommen und aufbereitet.
Für alle, die tiefer ins Wissen zu (bairischen) Dialekten einsteigen möchten: Manfred Renn, Werner König: Kleiner Bayerischer Sprachatlas, dtv, München 2006. Der Beitrag zum Brotanschnitt findet sich auf Seite 162–163.
Sowohl die gedruckte Ausgabe als auch die Online-Fassung des Bayerischen Sprachatlasses bieten zahlreiche Karten und Erläuterungen zu den verschiedenen Lauten und Wortschatzbeispiele aus den Dialekten Bayerns. Neben Bairisch gehört vor allem das Fränkische dazu. Aber auch Schwäbisch, Hessisch, Thüringisch und sogar Alemannisch hört man im Freistaat.