Energie und Umwelt am See erleben

Cordula Jeschor auf dem Dach der Energie- und Umweltstation am Wöhrder See, Nürnberg
© N-ERGIE, Falk Heller

Wie ein Pumpwasserkraftwerk funktioniert, kann man auf dem Dach der Umweltstation ausprobieren.

Der flache Pfahlbau im Wöhrder See in Nürnberg fügt sich harmonisch in die Uferlandschaft ein. Beim Näherkommen sieht man Solarmodule, ein Windrad und einen Wassertank auf dem begehbaren Dach. Neugierig? Dann „Hereinspaziert!“. Unter diesem Motto sind an den offenen Nachmittagen alle Interessierten in der Energie- und Umweltstation der Stadt Nürnberg herzlich willkommen. Cordula Jeschor leitet die Station am See seit 2020.

Sie haben einen ungewöhnlichen Arbeitsplatz, Frau Jeschor …

Cordula Jeschor: Oh ja, ich habe das einzige Büro in Nürnberg auf dem Wasser. Das ist ein Riesenglück – nicht nur bei schönem Wetter wie heute. Bei schlechtem Wetter ist der Wöhrder See sehr mystisch, Brandung kommt auf, man fühlt sich wie am Meer. Bei Regen fliegen die Schwalben besonders tief und man kann ihnen beim Insektenfangen zuschauen.

Und wenn Sie nicht im Büro sitzen?

Cordula Jeschor: Dann begleiten wir Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich für eines unserer Programme interessieren. Heute macht zum Beispiel meine Kollegin Lena mit einer Schulklasse Wasseruntersuchungen. Die ganze Station ist ein Beispiel, wie nachhaltig leben möglich ist. Wir erzeugen Strom mit Sonnenkraft und heizen mit Erdwärme – das sind die Möglichkeiten der Technik. Und bei uns kann man sehen, spüren und erleben, wie aus Sonne, Wasser und Bewegung Energie wird. Aber es sind auch viele kleine Dinge, die das Leben nachhaltiger machen: Unsere Küchenausstattung stammt zum Beispiel vom Flohmarkt und im Winter schalten wir den Kühlschrank ab und nutzen unseren Lagerraum zur Kühlung. Wir geben Anregungen und zeigen, was möglich ist.

Haben Sie ein Herzensprojekt?

Cordula Jeschor: Mir liegt die ganze Station am Herzen. Wenn Kinder staunend den Seminarraum betreten und im Energietretboot versuchen, genug Strom für den Wasserkocher zu erzeugen. Oder wenn sie begeistert den seltenen Eisvogel entdecken, das inspiriert mich. Auch unser Drachenboot ist etwas Besonderes. Es ermöglicht eine ganz neue Perspektive auf den See. Und so ein Boot schweißt ein Team zusammen: Es klappt nur, wenn 20 Leute im Takt der Trommel paddeln, die Steuerfrau bestimmt die Richtung. Unser Drache wurde im Juli „zum Leben erweckt“. Das ist ein ganz neues, tolles Projekt, das auch Jugendliche motiviert.

© N-ERGIE, Falk Heller

Nur wer tüchtig strampelt, erzeugt im Energietretboot genug Strom, um die Lampe zum Leuchten zu bringen oder gar Wasser zu erhitzen.

Sie haben als Motto einen Satz gewählt, der Martin Luther zugeschrieben wird: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ Was bedeutet das für Sie und Ihre Arbeit?

Cordula Jeschor: Klimaschutz ist ein brandaktuelles Thema und wir müssen jetzt handeln. Aber so einfach ändern wir Menschen unser Verhalten nicht. Mein Motto steht dafür, dass wir nie den Kopf in den Sand stecken dürfen. Stattdessen sollten wir immer den Blick nach vorne richten, positiv bleiben. Ich habe Ökologie in Weihenstephan studiert. Dieses Wissen setze ich seit 20 Jahren in der Umweltbildung ein. Mein Team und ich, wir haben eine besonders sinnstiftende Arbeit. Es ist ein großes Glück, Impulse für das Leben der jetzigen und künftigen Generationen geben zu dürfen.

Herr Dr. Büttner, Sie sind Direktor des Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie der Stadt Nürnberg, zu dem auch die Energie- und Umweltstation gehört. Welchen Auftrag verbindet die Stadt mit der Station?

Dr. Christian Büttner: Wir kümmern uns gemeinsam mit dem Umweltreferat der Stadt darum, Umweltbewusstsein und nachhaltige Lebensstile zu fördern. So hat unser Institut unter anderem den Auftrag, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in den Schulen zu verankern. Die Energie- und Umweltstation ist mit ihrem vielfältigen Programm dabei eine wichtige Anlaufstelle. Zwischen der ersten Idee und der Station heute liegen ungefähr zehn Jahre. Die Umgestaltung des Wöhrder-See-Areals gab den Anstoß, die Aktivitäten der Stadt zur Umweltbildung hier zu bündeln und allen zugänglich zu machen. Das Thema ist sehr wichtig, schließlich geht es um unser aller Zukunft. Außerdem sind wir vielfach vernetzt. Wir tauschen uns mit unterschiedlichen Organisationen und Initiativen an runden Tischen aus und arbeiten bei Projekten mit Partnern zusammen. Dazu zählt auch die N-ERGIE. So bekommen wir immer wieder neue Ideen und können gegenseitig unsere Kompetenzen nutzen.

© N-ERGIE, Falk Heller

Dr. Christian Büttner und Cordula Jeschor möchten mit der Energie- und Umweltstation zu einem nachhaltigen Leben anregen.

Infos

  • Programme für Schulklassen und Horte
  • Offenes Programm (auch in den Ferien)
  • Das gesamte Gebäude inklusive Dachterrasse ist barrierefrei zugänglich

Adresse

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